Eine Auseinandersetzung mit veränderten Wahrnehmungsprozessen in einer digitalisierten Lebenswelt.

„Guys I wish you could feels this material, is super stretchy and soft. It‘s so comfy.“ Mit dieser Erklärung wirbt eine Frau in einem sozialen Netzwerk für ein Bekleidungsstück. Sie steht vor dem Spiegel und filmt sich dabei, während sie uns erklärt, wie weich das Material auf der Haut liegt. Es passt ihr wie angegossen. Sie dreht sich im Spiegel und fährt mit der Hand über ihren Bauch. Dann zieht sie an dem Top. Der Stoff dehnt sich und schnellt wieder zurück, als sie es loslässt. Anhand des Videos können wir uns nur vorstellen, wie es sich wohl anfühlt, aber es sieht superkuschelig aus. „This top will be available in 3 different colours“ geht die Erklärung weiter. Schön sehen die 3 Farben aus, die auf dem Bildschirm des Smartphones angezeigt werden. Es ist normal geworden, dass Kleidung im sozialen Netzwerk „Instagram“ präsentiert wird und wir dazu animiert werden, das, was wir dort sehen, zu kaufen. Möglich ist dies durch die Digitalisierung, welche der Megatrend der heutigen Zeit ist. Digitale Technologien verändern das Verhalten innerhalb der Lebenswelt grundlegend. Es es normal geworden, dass wir auf das Smartphones schauen, während wir auf den nächsten Bus warten. Es ist auch normal geworden, per Klick im Internet Ware zu bestellen, die uns dort angeboten wird. Ersteres bringt uns dazu, uns weniger mit der realen Umwelt auseinanderzusetzen und stattdessen in einen virtuellen Raum abtauchen. Zweiteres sorgt dafür, dass wir Kaufentscheidungen auf rein visueller Basis treffen.

Aus dieser Beobachtung heraus stellt sich die Frage, in welcher Art und Weise der zunehmende Einsatz von digitalen Technologien nicht nur unsere Handlungen, sondern auch unsere Wahrnehmung der materiellen* Welt* verändert. Welche Rolle spielen die digitalen und analogen/realen Erfahrungsräume für die Wahrnehmung von realer Materialität? Wie wirkt sich die Veränderung von haptischen Erfahrungen, die in der virtuellen Welt praktisch nicht vorhanden sind, auf die Wahrnehmung von Materialität aus? Welche Auswirkungen haben diese Veränderung auf unser Verhalten der materiellen Welt gegenüber? Bedeutet weniger materielle Erfahrung gleichzeitig auch weniger emotionale Bindung an Materielles und damit eine generelle Gleichgültigkeit der Welt gegenüber?